Rostam (falsche Transliteration: Rustam, Rustem,
persisch:
رستم Rostam [rosˈtam])
- war Reichsfeldherr im
Sassanidenreich. Er fiel
636 im Kampf
gegen die
Araber in der
Schlacht von Kadesia.
- ist eine
mythische Sagengestalt aus dem „Königsbuch“ (Schāhnāme),
dem persischen Nationalepos von
Abū l-Qasem-e Ferdousī.
Der Artikel behandelt im Weiteren die zweite Bedeutung.
Sagengestalt
Der
persische Held Rostam, der Prinz von
Zabulistan, erblickte mit Hilfe des Wundervogels
Simurgh,
der dem Vater
Zal und der Mutter
Rudabeh
den Rat gab, ihn mittels
Kaiserschnitt zur Welt zu bringen, das Licht der Welt.
Schon als Junge zeichnete ihn unglaubliche Kraft, Mut und List aus.
Schon die erste Tat des jungen Helden erzählt vom Kampf gegen einen
rasenden Elefanten, den er mit einer Keule erschlug. Den Kampf zwischen
den Königtümern Persien und
Turan
bildet einen Großteil der weiteren Abenteuer. Indem er einen Zauberer,
welcher den König Persiens (Kaikawous)
mit Blindheit schlug, besiegen konnte, gibt er dem Land einen neuen
Schah.
Untrennbar mit den Erfolgen Rostams verknüpft ist die Unterstützung
durch sein treues Pferd
Rakhsch, welches durch seine übernatürlichen Fähigkeiten immer wieder
Rostam die Möglichkeit gibt, sich aus der Bedrängnis zu befreien.
Selbstverständlich gehorcht Rakhsch nur seinem Herrn, lässt es nicht zu
von anderen geritten zu werden und beweist fast menschenähnliche
Intelligenz und Geschicklichkeit.
Rostam besteht im Laufe der Zeit erfolgreich sieben Abenteuer. Aber
auch Tragik
umfasst das Epos.
Unwissend ersticht Rostam im Zweikampf seinen, mit der Turanerin
Tahmine gezeugten, ihm unbekannten Sohn
Sohrab. Diesen erkennt er an einem Armreif, den er ihm bei seiner
Geburt geschenkt hatte. Ebenso folgt der Tod des Helden, durch Verrat
seiner Familie.
Wie wichtig diese Sagengestalt für Persien ist, lässt sich an der
achämenidischen
Königsnekropole ablesen, die den Held im Namen trägt: Naqš-i Rostam
(Naqsch-i Rostam).
Aufgrund der Ähnlichkeit wird diese Tragödie oft mit dem
Hildebrandlied verglichen. Entweder liegt dem Stoff eine
indogermanische Ursage zugrunde oder es muss eine direkte Beeinflussung
angenommen werden.
Interessant ist es, dass
Richard Wagner den Plan gehabt hat, eine Episode aus
Schacks Übersetzung zu einer Oper zu bearbeiten. Wäre diese
gesprächsweise gegenüber dem Grafen geäußerte Idee zur Ausführung kommen,
so würde Ferdosi ohne Zweifel heutzutag in Europa weit populärer sein. Der
Bayreuther Meister war schon so weit gekommen, dass er zwischen zwei
bestimmten Episoden, nämlich der Sage von Rostam und Esfandijar oder dem
Untergange des Siawosch schwankte.
]
Tahmine über Rostam übersetzt von Rückert
"Vom Glanz erwachte Rostam, und staunte wie im Traum;
Heil rief er der Erscheinung, und konnt’ es rufen kaum.
Da fragt’ er sie, da sprach er: Wie ist dein Name? Sprich!
In finsterer Nacht was suchst du? was gehrst du, Dame, sprich!
Da gab sie ihm zur Antwort: Tahmina nenne mich,
Des Königs von Samangan als Tochter kenne mich.
Hohn hab’ ich Leun und Tigern wol sonst gesprochen, ach!
Doch nun in Mitt’ entzwey ist mein Herz gebrochen, ach!
Ich hab’ als Wundersage gehört von jedermann
Die Kund’ unzäl’ger Siege, die deine Hand gewann;
Dass Elefant und Tiger und Krokodil und Leu
Du wie zum Spiel bekämpfest, und trägst vor keinem Scheu.
Du reitest in die Marken von Turan ein zu Nacht,
Schläfst unter deinen Feinden und brauchest keine Wacht.
Von Riesen, Ungeheuern und bösen Geistern hast
Die Länder du zu säubern dir selbst versagt die Rast.
Sich stützt der Schah von Iran auf dich als Stab allein,
Dich scheut der Schah von Turan, Afrasiab, allein.
Die Kämpfe beider Reiche, die sich um dich nur drehn,
Sie raffen tausend Helden, und lassen dich nur stehn.
So hab’ ich, Feind der Türken, vernommen deinen Ruf;
Nun bist du mit gekommen, wie es das Glück mir schuf."
Siehe auch
Literatur
- Rostam und Sohrab. Eine Heldengeschichte in 12 Büchern, Erlangen:
Theodor Bläsing 1838.
- Firdosi’s Königsbuch, (Schahname) übersetzt von Friedrich Rückert.
Aus dem Nachlaß herausgegeben von Edmund Alfred Bayer. 3 Bände.
Nachdruck: [Teheran] Imperial Organisation for Social Service 1976. [The
Pahlevi Commemorative Reprint Series]
- Jürgen Ehlers (Hrsg.): Rostam. Die Legenden aus dem Schahnama von
Firdausi. Reclam, Stuttgart 2002,
ISBN 3-15-050039-7
- Werner Heiduczek (Hrsg.): Die schönsten Sagen aus Ferdousis
Königsbuch. 4. Auflage. Kinderbuchverlag, Berlin 1989,
ISBN 3-358-01413-4
- Marianne Tölle (Hrsg.): Weiser Herr des Himmels. Persien.
Time Life Books, Amsterdam 1999 (Mythen der Menschheit),
ISBN 90-5390-815-3